Ein plötzlicher Schmerz in der Brust, der nicht nur physisch den Atem nimmt: Was schnell den Gedanken an eine Herzattacke oder gravierende Lungenprobleme aufkommen lässt, kann eine verhältnismäßig einfachere Ursache wie die Zwerchfell-Verspannung haben. Nichtsdestoweniger ist es unerlässlich, möglichst rasch eine gründliche Diagnose zu treffen und die entsprechende Therapie wie Osteopathie einzuleiten. Die gute Nachricht ist, dass der Gefahr von weiteren Zwerchfell-Verspannungen durch eigene Maßnahmen vorgebeugt werden kann. Gerade weil eine Zwerchfellverspannung oft unspezifische Beschwerden macht, lohnt sich eine frühe Abklärung, bevor sich das Problem im Brustkorb festsetzt.
Zwerchfell-Verspannung-Symptome: Wie zeigen sie sich?
Das Zwerchfell trennt den Brustraum vom Bauchraum. Diese Verbindung zwischen Brustraum und Bauchraum erklärt, warum Beschwerden nicht nur lokal, sondern im ganzen Körper auftreten können. Seine fachliche Bezeichnung ist Diaphragma, was so viel wie Scheidewand, Trennwand bedeutet. Es ist der dominanteste Atemmuskel. Selbst in Ruhe beteiligt es sich zu 50 % an der gesamten Atemarbeit. Bei Belastung kann sich sein Anteil auf 80 % steigern. Beim Einatmen senkt sich dieser wichtige Muskel ab und ermöglicht so, dass sich die Lunge durch optimale Dehnung mit Luft füllt. Seine Schlüsselrolle ist es, die über eine funktionierende Atmung entscheidet. Bei jeder Einatmung und Ausatmung bewegt sich die Zwerchfellmuskulatur zwischen Brustraum und Bauchraum und unterstützt so die gesamte Atemmuskulatur. Durch diese Bewegungen verändert sich der Druck in der Brusthöhle und im Bauchraum – was auch Bauchorgane wie Magen oder Gallenblase spürbar beeinflussen kann.
Wird das Zwerchfell in seiner Funktion als Hauptatemmuskel gestört, ist die logische Folge, dass auch das Atmen erschwert wird. Oft zeigt sich plötzlich ein stechender Schmerz unterhalb der Rippen. Es ist nicht mehr möglich, tief Luft zu holen. Mitunter strahlt der ziehende Schmerz bis in den Rücken. Dies gilt vor allem beim Niesen, Husten oder Lachen. Begleitend können eine Brustenge oder ein Druckgefühl in der Brust auftreten, ebenso wie eine verstärkte Kurzatmigkeit. Wenn Sie beim Atmen das Gefühl haben, nur flach in den Brustbereich zu kommen, sind oft Beweglichkeit und Öffnung im Brustkorb eingeschränkt. Je stärker der Brustkorb blockiert ist, desto mehr muss die Atemmuskulatur im Hals- und Schulterbereich kompensieren. Das kann den Schultergürtel zusätzlich verspannen. Nicht selten entstehen durch diese enorme Einschränkung Panikattacken – wie auch umgekehrt ein verspanntes Zwerchfell die Folge einer Panik sein könnte. Viele Patienten berichten dann über ein diffuses Gefühl von Unruhe im Körper, obwohl das eigentliche Problem „nur“ Muskelverspannungen sind.
Begleitsymptome: von Verdauungsproblemen bis zu Konzentrationsstörungen
Es ist nicht immer einfach zu unterscheiden, was nun ein Begleitsymptom oder ein Mitauslöser einer Zwerchfell-Verspannung ist. Gerade Atemprobleme und Verdauungsprobleme treten häufig gemeinsam auf, weil Atmung und Verdauung über das Zwerchfell eng gekoppelt sind. Zu den häufigen Erscheinungsbildern gehören Schluckauf und Reflux, vielfach begleitet von einem Völlegefühl und Übelkeit. Auch Sodbrennen kann dazugehören, vor allem, wenn der Magen an der natürlichen Öffnung im Zwerchfell gereizt wird. Auch hier ist der umgekehrte Weg denkbar: Wer vom Schluckauf gequält wird, verspannt sich leicht. Wer unter Sodbrennen leidet, versucht vielleicht, diesen Reflex zu unterdrücken und beeinträchtigt so wiederum den Atemmuskel.
Mitunter setzt sich die Muskelverhärtung in anderen Körperbereichen fort. Auf die Schonhaltung gegen den Schmerz folgen Verspannungen im Nacken, im Rücken und der Schulter, begleitet von Kopfschmerzen, Müdigkeit und häufigen Konzentrationsstörungen. Auch der Kopf reagiert auf diese kompensatorische Form der Atmung – etwa durch Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen. Rückenschmerzen treten vermehrt auf, ein in der Funktion beeinträchtigtes Zwerchfell hat zudem Auswirkungen auf die Wirbelsäule. Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule geraten durch die Muskelverspannung außer Balance.
Ein unguter Kreislauf beginnt, der zusätzlich zu den akuten Schmerzen ein allgemein gestörtes Körpergefühl verursacht. Typisch sind dann Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder eine Nackenverspannung, obwohl der Auslöser im Atemmuskel liegt. Der Magen fängt nicht nur durch den physischen Druck an zu rebellieren, die Verdauung läuft nicht mehr in normalen Bahnen ab. Blähungen, eine gereizte Speiseröhre durch das Aufstoßen der Magensäure, diffuse Magenprobleme und -schmerzen rühren möglicherweise ebenfalls von einer Fehlfunktion der Muskelplatte des Zwerchfells her.
Zwerchfell-Verspannung: eine Vielfalt von Ursachen
Oft sind es nur im Alltag unbemerkte Kleinigkeiten wie eine bestimmte Haltung, die zur Verspannung vieler Muskelpartien, so auch dem Zwerchfell, führen. Einseitige Belastungen, etwa regelmäßiges Hochheben von Gegenständen im Beruf mit einer Hand, die monoton ausgerichtete Sitzposition am Rechner oder das Tragen von schweren Einkaufstaschen nur auf der rechten Seite, können bereits Auslöser sein. Beispiele sind hier nicht nur das Tragen und Heben, sondern auch Sport mit flacher Atmung, der die Körperhaltung unbewusst fixiert.
Nicht zu unterschätzen sind Stress und andere psychische Anspannungen. Wer gestresst ist, neigt zudem zu verkrampften Haltungen, vor allem beim Sitzen. Ebenso verflacht die Atmung durch Stress, was sich wiederum auf die Muskelfunktion des Zwerchfells auswirkt. Eine ungünstige Körperhaltung am Schreibtisch verändert den Zustand der Atemmuskulatur und begünstigt Zwerchfellverspannungen. Wie bei jedem anderen Muskel auch, ist eine moderate und an die Grenzen gehende Auslastung, ohne Überlastung, sinnvoll, um dauerhaft funktionstüchtig zu bleiben.
Können die einfachen Ursachen ausgeschlossen werden, ist eine tiefergehende Klärung unerlässlich. Durch Röntgenaufnahmen oder Ultraschallverfahren vom Thorax werden mögliche Lageveränderungen wie ein Zwerchfellhochstand oder Zwerchfellbruch erkannt. Genauso, wie das Zwerchfell Auslöser für Lungenprobleme und daraus resultierende Atembeschwerden sein mag, sind Ursache und Auswirkung umgekehrt möglich. Bei Lungenfibrose oder nach Operationen an der Lunge können Zwerchfell-Verspannungen oder eine Zwerchfellparese auftreten. Auch frühere Verletzungen am oder im Brustkorb wie ein geprelltes Brustbein, Rippenbrüche oder eine durchlittene Rippenfellentzündung begünstigen womöglich die Zwerchfell-Verspannung und ihre Symptome.
Prävention: Das können Sie tun
Die Aufzählung der häufigsten Ursachen für eine Zwerchfell-Verspannung bietet zugleich einen wertvollen Anhaltspunkt, wie Sie selbst gegen eine – weitere – Verspannung des Zwerchfells und die unangenehmen Symptome vorbeugen können. Viele der hier sinnvollen Maßnahmen sind zudem geeignet, generell mehr Ruhe, Gelassenheit und Entspannung in den Alltag zu bringen. Sollten Sie aktuell unter einer entsprechenden Verspannung leiden, raten wir jedoch unbedingt dazu, sich fachmännisch anleiten zu lassen.
Eine der hilfreichen Grundlagen ist Achtsamkeit. Vielleicht haben Sie sich schon dabei ertappt, dass Sie bei Schmerzen, Atembeschwerden, Seitenstechen oder Rippenschmerzen unbewusst den Atem angehalten haben – um danach mitunter schmerzhafter als zuvor weiterzuatmen. Hier schaffen regelmäßig durchgeführte Atemübungen Abhilfe. Auf dieses bewusste Atmen wird zunehmend zurückgegriffen, je länger Sie die Methode anwenden.
Ein weiterer Ansatz sind Bewegungstechniken, bei denen Aufmerksamkeit, Atmung und körperliche wie seelische Balance ebenso wie Stärkung der Beweglichkeit und Muskulatur im Vordergrund stehen. Bewährte Sportarten sind
- Yoga
- Tai Chi
- Chi Gong
Die Gebühren für entsprechende Kurse werden von vielen Krankenkassen und Privatversicherungen übernommen, es lohnt sich, hier anzufragen.
Ein weiterer wesentlicher Baustein für die Lösung von Verspannungen und die nachfolgende Prävention ist der Besuch bei kompetenten Osteopathen in Hamburg. Neben einem ganzheitlichen Ansatz sind es manuelle Methoden, die Linderung bei Zwerchfell-Verspannungen und den Symptomen bieten können. Ebenso werden Ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, wie Sie durch Selbstmassage künftigen Verspannungen entgegenwirken.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Welche Komplikationen können durch ein verspanntes Zwerchfell entstehen?
Neben den direkten Symptomen einer Zwerchfell-Verspannung und den Begleiterscheinungen kann es zu Herzstolpern und Herzrasen, zu einem Zwerchfellbruch mit Hiatushernie oder einer Schädigung des Nervus phrenicus mit Folgen für Herz, Leber und Lunge kommen. Er ist der motorische Nerv, der das Diaphragma durchläuft und für eine ausgeglichene Hirn-Darm-Achse sorgt. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte deshalb auch das Herz (inklusive Herzfrequenz) in der Medizin abgeklärt werden – besonders, wenn Atemprobleme dazukommen.
Können plötzlich auftretende Schmerzen im Bereich Oberbauch, Brustkorb und Rücken auch andere Ursachen haben?
Akute Herzerkrankungen wie der Infarkt können durchaus ähnliche Beschwerden wie eine Zwerchfell-Verspannung auslösen. Deshalb ist es wichtig, eine klare Diagnose zu stellen. Handelt es sich um eine Verspannung oder besteht womöglich ein dauerhafter Zwerchfellhochstand, eine Zwerchfellhernie oder eine Zwerchfelllähmung?
Zu beachten ist auch, ob andere Anzeichen vorliegen, die womöglich auf den lebensbedrohlichen Herzinfarkt hindeuten. Plötzlich auftretende starke Schmerzen im Brustkorb, die in den Oberbauch, den Rücken, den Halsbereich oder die Arme ausstrahlen, sind immer ein Grund, sofort den Notruf 112 zu wählen. Typisch für Infarkte sind zudem Angst, Schweißausbrüche und Unruhe, die aber auch durch die Atemnot bei einer Zwerchfell-Verspannung als Symptome auftreten können. Umso wichtiger ist es, unverzüglich eine konkrete Diagnose zu stellen und die entsprechende zielgerichtete Therapie einzuleiten.
Ist eine Refluxkrankheit immer ein Anzeichen für die Verspannung des Zwerchfells?
Adipositas, Schwangerschaft, vergrößerte Organe wie Leber und Milz oder Tumore können ebenfalls Auslöser von Reflux sein. Hier heißt es, der Ursache auf den Grund zu gehen. Einmaliges, kurzfristiges Aufstoßen von Magensäure mag auf Ernährungsfehler wie zu üppige Mahlzeiten an Festtagen zurückzuführen sein. Tritt Reflux jedoch öfter auf, sind neben Ernährungsgewohnheiten auch andere mögliche Ursachen zu hinterfragen. Sinnvoll ist hier ebenfalls eine ärztliche Abklärung, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen oder sie zumindest rasch zu erkennen.
